Die „zivile“ Darstellung eines Templers
 

 

Kleidung im Ordenshaus

Ein Templerbruder, gleich welchen Ranges, befand sich nicht ständig im Krieg. Verweilten die Brüder im Ordenshaus, trugen sie einen "Haushabit", das Mönchsgewand. Somit hat diese Gewandung für alle Darsteller Gültigkeit und ist eine gute Alternative zur Rüstung.

Außerdem bestand ein Ordenshaus nicht allein aus kämpfenden Ritterbrüdern. Speziell bei den Sergeanten war es stets so, dass zwei „Kategorien“ von Dienenden Brüder parallel bestanden: die kämpfenden und die nicht-kämpfenden Sergeanten. Nichtkämpfende Brüder kamen in allen Bereichen des Ordenshauses zum Einsatz: als Köche, Tischler, Gärtner, Schmiede… Sie waren „vollwertige“ Brüder, die den Ordensregeln ebenso unterstellt waren wie die kämpfenden Sergeanten.

Auch bei den „weißen“ Rittern sind zivile Darstellungen wichtig. Wie oben bereits erwähnt kam diese Kleidung im Ordenshaus zum Einsatz. Darüberhinaus wird wohl auch Veteranen gegeben haben, die zu alt zum Kämpfen waren oder Brüder, welche aus wie auch immer gearteten Gründen nicht mehr kämpfen konnten oder wollten. Auch sie verweilten weiterhin im Ordenshaus und kommen somit für eine zivile Darstellung in Frage.

 

 

Eine sehr schöne Abbildung aus dem "Libro de Juegos", sie zeigt zwei Ritterbrüder im Haushabit.

Sehr gut erkennbar die dunkle Tunika sowie der weiße Ordensmantel mit dem tpyischen Tatzenkreuz.

 

                 

 

Hier ein Sergeantenbruder im Haushabit, wieder gut zu sehen die einfache dunkle Tunika und der schwarze Ordensmantel.

Beide Bilder dienen auch sehr schön als Beispiel für typische Kopfbedeckungen.

 

 Zivilie Kleidung auf Reisen

Waren die Brüder auf Reisen, sei es in Friedenszeiten, sei es im Krieg, waren sie sicherlich nicht permanent gerüstet. Für Reisen und das Feldlager wurde daher eine praktische und wettertaugliche Kleidung benötigt. Da Abbildungen rar sind, muss man sich hier weitgehend auf Spekulationen verlassen. Hier eine wahrscheinliche These für die Kleidung "im Feld":

Einfache Cotta (keine Tunika!) aus dunkler Wolle; Beinkleid wie unten beschrieben; Reisemantel wie Cappa oder Garnasche, kein Ordensmantel!

 

Grundsätzliches zur Kleidung

Grundsätzlich waren alle Kleidungsstücke aus Wolle! Leinen kam höchstens für die Unterwäsche in Frage und war in Ausnahmefällen erlaubt. Wer sich die Mühe macht,  eine entsprechende Ausrüstung anzuschaffen, sollte auch heute auf diese Materialien zurückgreifen. Zum einen stört modernes Gewebe eine gute Darstellung ganz erheblich (man sieht es fast immer!), zum anderen ist historisch korrektes Material auch einfach zweckmäßiger und entwickelt einen wesentlich höheren Tragekomfort.

Sergeanten trugen stets eine dunkle Tunika sowie einen dunklen Mantel. Es wurde ausschließlich ungefärbte Wolle verarbeitet, wobei Variationen von Dunkelbraun über Dunkelgrau bis Schwarz (je nach Farbe der Schafe) möglich sind.

Ritterbrüder trugen grundsätzlich einen weißen Mantel. Für die Tunika gibt es zwei Varianten: die meisten Darstellungen zeigen die Ritterbrüder in dunklem Ordensgewand, es gibt allerdings auch eine Abbildung mit weißer Tunika. Möglicherweise variierte die Farbe der Tunika je nach Region oder Ordenshaus. Entscheidend ist die weiße Farbe des Mantels, hier sind Abweichungen ausgeschlossen.

 

Noch ein paar Worte zum Begriff "Habit":

Die Meinungen hierüber sind widersprüchlich. Oftmals wird dieser Begriff für das Ordensgewand, sprich, Tunika (Kutte) + Ordensmantel gebraucht. Nach allem Dafürhalten bezieht sich dieser Begriff allerdings ausschließlich auf den Mantel (bei anderen Orden entsprechend auf die Kukulle)!

 

Welche Kleidung wird benötigt?

Bruch und Beinlinge

Die Bruch ist die Unterhose des Mittelalters (For mens only!). Aus ungebleichtem Leinen oder Wolle. Dazu kommen dunkle Beinlinge aus Wolle zum Einsatz, mit oder ohne angenähtes Fußteil. Alternativ für die, die es nicht so genau nehmen oder sich nicht für die (zugegeben etwas gewöhnungsbedürftige) Bruch erwärmen können, kann auch eine einfache Hose mit engen Hosenbeinen benutzt werden. Eine Bruch bietet allerdings einen ausgesprochen guten Tragekomfort!

 

Leibhemd (Unterhemd)

Einfaches Hemd nach sehr einfachem Schnitt, ähnlich einer Cotta, aber kürzer (etwa knielang).  Als Material kommen Leinen und Wolle in Frage. Dieses Unterhemd kann in der Darstellung ggf. auch entfallen, da man es unter der weiteren Kleidung nicht sieht. Allerdings hat es doch einen nicht unerheblichen wärmenden Effekt.

 

Cotta

Ein waden- bis knöchellanges Gewand mit langen, eng anliegenden Ärmeln nach einfachem Schnitt. Herrencotten waren grundsätzlich vorne und hinten mit einem Reitschlitz versehen. Anders kommt man nicht auf's Ross und außerdem wird eine größere Bewegungsfreiheit garantiert. Material: naturfarbene Wolle (eher dunkel als weiß).

 

Tunika

DAS Mönchsgewand schlechthin, heutzutage auch unter dem Namen „Kutte“ geläufig. Die Tuniken des Mittelalters unterschieden sich nicht wesentlich von den modernen Varianten, am ehesten dient die Kutte der Franziskaner als Vergleich. Die Tunika wird über einer Cotta getragen (s. Abb. oben, man sieht am Handgelenk des Sergeanten das Bündchen der Cotta unter der Tunika).

Die Tuniken waren gut knöchellang, hatten lange, etwas weitere Ärmel und waren allgemein relativ weit geschnitten. Eine Kapuze sollte angesetzt sein. Material Wolle.

Scapulier oder Kukulle/Gugel gab es bei den Templern nicht.

Nach Quellenlage trugen die Templer KEIN Kreuz auf der Tunika. Allerdings gibt es zahlreiche Darsteller, die ihre Tunika mit einem kleinen roten Kreuz über dem Herzen versehen, um eine Unterscheidung von anderen Ordensleuten möglich zu machen. Die Entscheidung sei an dieser Stelle dem Darsteller überlassen. Korrekt wäre die Variante ohne Kreuz.

 

Mantel

Der "Habit" war das wichtigste und symbolträchtigste Kleidungsstück der Ordensbrüder! Der "Verlust des Mantels" war eine der schwersten Strafen und war gleichbedeutend mit einem "Rauswurf". Wie wichtig der Mantel war, zeigt sich an einem Passus in der Ordensregel, die es untersagt, den Mantel an einen Haken zu hängen (was dem Material geschadet haben dürfte). Nach heutigem Forschungsstand und aus praktischen Gründen dürfte der Mantel nur im Ordenshaus und nicht im Feld getragen worden sein (gesicherte Angaben hierzu liegen allerdings nicht vor).

Radmantel aus Wolle, am besten als ¾-Kreis geschnitten. Eine Kapuze war nicht angeschnitten (Allerdings erweist sie sich in der Praxis heutzutage als sehr nützlich, besonders, wenn man bei schlechtem Wetter unterwegs ist. Wer es allerdings authentisch mag, sollte trotzdem auf die Kapuze verzichten!).

Weiß für Ritterbrüder, dunkel (s.o.) für Sergeanten. Rotes Tatzenkreuz über dem Herzen.

Verschluß mit einfacher Tasselschnur, Fibeln o. ä. waren nicht gestattet!

 

Weitere Kleidungsstücke

Cappa oder Garnasche als Reisemantel oder für die Arbeit oder außerhalb des Ordenshauses.

Eine Gugel war lt. Ordensregeln nicht erlaubt (Wobei sich hier die Experten noch über die Auslegung und Übersetzung streiten. Möglicherweise meint der entsprechende Passus in der Ordensregel auch lediglich das Verbot, die Gugel bei bestimmten Gelegenheiten aufzusetzen...).

Weiche, einfache Lederschuhe ohne Zierrat (im Idealfall wendegenäht), knöchelhoch. Keine Stiefel, keine Sandalen. Denkbar wären Holzschuhe für spezielle Arbeiten (Garten o.ä.), normalerweise wurden aber Lederschuhe getragen.

Ein einfacher Leder-Langgürtel ohne Verziehrungen. Ein Strick als Gürtel wie bei den Franziskanern war nicht üblich!

Bundhauben gab es, sie waren aber kein Muss. Darüber (oder alleine) trug man eine weiche Kappe aus Wollfilz (s. Abb. oben).

 

Sonstiges Zubehör

Messer zum Essen und für die Arbeit; Paternoster; Holzlöffel zum Essen; Hornschale; Trinkbecher aus Holz oder Ton; Serviette und ein kleines Tischtuch (vergleichbar einem Platzdeckchen, große Tischdecken gab es nicht) aus Leinen; Brotbeutel (größere Umhängetasche aus Leinen o.ä.). Vorgenannte Dinge finden darin Platz.

Für Handwerker sind natürlich alle möglichen Schürzen oder handwerksspezifischen Utensilien denkbar, Details würden hier den Rahmen sprengen.