Der Medicus

 

Der Medicus hat sich inzwischen zur Ruhe gesetzt und ist nicht mehr aktiv.

Auf unserer HP möchten wir ihn dennoch nicht missen und halten sein Andenken hier in Ehren!

 

Zu unserer Komturei gehört der Medicus Georg von Meiersfeld, dessen bewegte Lebensgeschichte und Werdegang hier zu lesen ist. Auf einer Bildungs- und Pilgerreise fand er eines Tages Unterkunft in unserer Komturei und gehört seither als freier Medicus unserem kleinen Ordenshaus an. Aus Dankbarkeit für seinen immerwährenden Einsatz für unsere Kranken und Verwundeten gewähren wir ihm das Tragen des Tatzenkreuzes als Zeichen der Zugehörigkeit und Verbundenheit mit dem Orden.

 

                                         Unser Medius weis sich auch gegen die Pest zur Wehr zu setzen!

 

       

Begleitet wird der Medicus von seinem ihm angetrauten Weibe Anne, ebenfalls wohlgebildet in der Kräuterkunde und Heilkunst.

 

 

Im Folgenden könnt ihr die Vita dieses wohlgebildeten Mannes nachlesen.

(Text, Recherche und Idee Jürgen Timpe, siehe auch Linkliste)

 

Man nennet mich Georg von Meiersfeld, geboren  in Meiersfeld bei Detmolde als 2. Sohn des freien Landadligen Friedrich von Meiersfeld.

Nach höfischer und schulischer Bildung wurde mir Zutritt zur Ausbildung der Medizin im Benediktinerkloster Corvey bei Höxter gewähret.

 

Zu meiner Ausbildung gehörten:

Lehren vom Aufbaue des menschlichen Corpus und seiner Funktionen, was zu dieser Zeit in Geheimen zu geschehen hatte, Anwendung der heilenden Pflanzen nach dem Lorscher Buch der Arzneien von 788, und anderes, von dem ich später künden werde.

Wundbehandlung, Knochenrichterei, Aderlass, Schröpfen, Ansetzen pflanzlicher Receptura, Behandlung des wehen Zahnes, Eingriffe in den Corpus des Kranken unter Betäubung.

Des weiteren genauer Gebrauch der Gerätschaften eines Medicus, Ausführung der Behandlung mit Sauberkeit des Ortes und der Gerätschaften.

Nach meiner Ausbildung folgte ich dem Rufe des Rates der Stadt Dortmunde, auch Tremonia genannt, und ließ mich hiero danieder.

 

Aufgaben

 Zu meinen Aufgaben gehören die Versorgung von Verletzungen und Erkrankungen der Stadtbevölkerung in Friedenszeiten, wie auch Aufgaben als Feldmedicus in Kriegszeiten.

Des weiteren auch Aufsicht über Reinlichkeit und Sauberkeit in Dortmunde, soweit dies zu meiner Zeit möglich war.

 

Nun zur Geschichte der mittelalterlich Medizin:

Zum Beginne des Mittelalters schöpften die Medici ihr Wissen aus den medizinischen Überlieferungen des Altertums, da waren der griechische Arzt Hippokrates und der römische Arzt Galen.

Im Vordergrunde stand die Viersäfte-Lehre:
Man ging davon aus, dass die Gesundheit des Menschen von dem ausgewogenen Verhältnis seiner vier Körpersäfte abhängig sei.

Dazu zählten sie Blut, Schleim (Phlegma), gelbe Galle (Cholera) und schwarze Galle (Melancholia).

Der Heilige Benediktus von Nursia begründete im Jahre 527 den Orden der Benediktiner. Er verpflichtete seine Anhänger zu wissenschaftlichen Studien, besonders aber auf dem Gebiete der Medizin.

Im 9. Jahrhundert erließ Karl der Große, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das Dekret, dass Medizin in den Lehren einer jeden Klosterschule aufgenommen werde und bei jedem Kloster ein Klostergarten anzulegen sei.

Im 9. und 10. Jahrhundert wurde Salerno in der Nähe von Montecassino allmählich zum anerkannten Zentrum der medizinischen Tätigkeit.

Anfang des 11. Jahrhunderts wurde dort die erste, nicht ordensgebundene Medizinschule des Abendlandes gegründet.

Die Ausbildung war praxisorientiert und weltlich geprägt.

Besonderen Wert legte man auch auf richtige Ernährung und körperliche Hygiene.

 
 

Zu meiner Zeit gibt es 3 Abstufungen im medizinalen Bereiche:

 
1.
Versorgung und Behandlung in den Klosterspitalen durch ordenseigene Medici und pflegende Ordensschwestern, da zu dieser Zeit den ordenseigenen Medici durch den achten Kanon des Konziliums von Tours verboten wurde, außerhalb des Klosters Kranke zu behandeln.
 
2.
Dann die Gruppe der Medici mit klösterlicher Ausbildung ohne Ordensbindung, zu der ich gehöre.

Diese Gruppe entstand wegen des genannten päpstlichen Verbotes der Versorgung und Behandlung durch klostereigene Medici außerhalb des Klosters.

 
3.
Und zum Schluß die Bader und Scherer, die in den meisten Fällen medizinische Hilfsarbeiten im Auftrage des Medicus durchführen. Auch mir geht ein von mir ausgebildeter Bader (Rüdiger von Beck) zur Hand.
 
 

Erweiterung des medizinischen Wissens

Durch Kontakte und Austausch mit persischen und jüdischen Ärzten und Apothekern, von denen der persische Arzt al-Razi der bekannteste ist, entstand seit dem Ende des 10. Jahrhunderts ein erweitertes Wissens in Bezug auf

 
Desinfektionem

Wasser wird zur Sicherheit abgekocht oder es werden Mittel mit

Säuregehalt zugegeben: saurer Apfelwein, Berberitzensirup, Zwiebeln, Essig.

Das Ausbrennen von Wunden mit glühenden Eisen ist wirksam, aber sehr schmerzhaft.

 
Betäubung

Schlafschwämme, die mit Essenzen des Schlafmohn getränkt über Mund und Nase des Kranken gelegt werden.

Arzneidrogen wie Opium (Schlafmohn), Maulbeersaft, Schierling, Efeu und Mandragorawein sind zu dieser Zeit in ihrer Wirkung wohlbekannt.

Für örtliche Anwendungen werden Breipackungen mit denselben Essenzen benutzt.

 
Wundbehandlung

Gegen den Wundbrand züchtet man auf einem Honig-Schafskot-Gemische Schimmelpilze, die dann auf die Wunden aufgebracht werden. Nicht gerade appetitlich, doch durchaus sinnvoll. In ferner Zukunft werdet ihr feststellen, daß einige Schimmelpilze Penicillin produzieren.

(Prof. Keil, Universität Würzburg)

 

Die Ärzte des Mittelalters reagierten, wie auch ihre zukünftigen Kollegen reagieren würden: Blutungen wurden gestillt - entweder mit einem Druckverband oder mit Nadel und Faden.

(Prof. Keil, Universität Würzburg)

 

Allgemeine Medizin

Erweiterung und Austausch von Wissen über Kräuter zur Behandlung verschiedenster Erkrankungen.

 

 

Wie ihr sehet, war die Zeit des Mittelalters gar nicht so, wie es oft dargestellt.

Dies geschahet erst im Spätmittelalter durch das Verbot des damaligen Papstes.

Im späten Hochmittelalter wurde den Ordensbrüdern durch den Kanon des zweiten Lateranischen Konziliums dann die Ausübung der Medizin verboten:

Nur Gebete zur Genesung des Kranken waren erlaubt.

Als Folge begann im Spätmittelalter das „finstere Mittelalter“ der Medizin.