Darstellung eines Ordensritters oder einer sonstigen klerikalen Darstellung

Rollenfindung

 

Eine Sache vorneweg: wer sich für die Darstellung einer Person aus dem Ordensbereich entscheidet, sucht sich damit eine der schwierigsten Rollen der Szene aus. Will man die Darstellung eines Ordensangehörigen korrekt, nachvollziehbar und halbwegs geschichtsnah interpretieren, braucht es eine Menge Disziplin. Auch sollte man sich möglichst umfangreich über diese Personengruppen informieren, auch über die Geschichte des jeweiligen Ordens. Und mehr als einmal in der Saison sollte man auch eine gehörige Portion Spott vertragen können... Aber wenn man erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, läßt einen die Geschichte nicht mehr los.

In einem Ordenshaus gibt es zahlreiche unterschiedliche Personen, Ränge, "Dienstgrade".  Es bieten sich also verschiedene Möglichkeiten der Darstellung. Im Folgenden einige Beispiele und Anregungen.

 

Mönche

Bereits im Mittelalter gab es eine Vielzahl von Ordensgemeinschaften: Benediktiner, Dominikaner, Franziskaner, die Ritterorden und viele andere mehr. Auf den Märkten sieht man häufig den "Markt-Franziskaner" mit obligatorischem Strick um den Bauch, billiger Kutte (häufig gar aus dem Faschingsfundus... Aua...) und Birkenstock-Sandalen. Alternativ begegnet man auch hie und da einem Bruder Tuck (was auch nicht viel besser ist...).

Genau wie bei den Ritterorden gibt es auch bei allen anderen Ordensgemeinschaften verschiedene Ränge und Personengruppen, die sich teilweise auch in der Kleidung unterschieden. Es würde zu weit führen, hier alle Orden aufzuführen und näher zu beleuchten. Daher nur eine Bitte zu diesem Thema: Leute, wenn ihr einen Mönch darstellen möchtet, entfernt euch von den üblichen Klischees! Informiert euch, lest euch ein, nehmt es ernst, man wird es euch danken!

 

Ordensschwestern

Eine sehr schöne Darstellung, an die sich leider (noch) nicht viele heran trauen, ist die Ordensschwester.

Im Mittelalter waren Nonnen durchaus häufig auch auf Reisen und Pilgerzügen anzutreffen. Erst viel später wurden sie genötigt, die Klöster nicht oder kaum zu verlassen.

Es gab schon damals verschiedene Nonnen-Konvente, die sich in ihrer Kleidung recht ähnlich sind, so dass sich sicher eine passende Geschichte zur gewählten Figur finden lässt. Nachweie für Frauenkonvente innerhalb des Templerordens gibt es leider nicht. Man hat einige schwache Anhaltspunkte, aber als Beleg reicht das nicht. Dennoch sind Nonnen im Kontext mit Templerlagern absolut erklärbar, da sich Templer von jeher auch dem Schutz der Pilger verschrieben haben.

Eines sollte man beachten: nicht jede Nonne muss gleich eine Hildegard von Bingen sein! wink

 

Weitere Infos zum Thema Mönche und Nonnen finden sich hier

 

Beginen und Begarden

Wem der Schritt zu Mönch oder Nonne zu "krass" ist, kann sich ggf. an dieser Darstellung versuchen.

Beginen und Begarden waren Frauen und Männer, die in einer klosterähnlichen Gemeinschaft lebten. Im Gegensatz zu den regulären Ordensleuten legten sie keine Gelübde ab. Dennoch lebten sie nach bestimmten Regeln, die häufig auf der Benediktiner-Regel basierten. Die Beginenkonvente, auch Höfe genannt,  übernahmen u. a. die Pflege der Kranken. Außerdem dienten die Beginen Gott durch Studium und Gebet.

Neben den in Konventen lebenden Beginen gab es "schweifende" Beginen. Sie hatten in der Regel ein Mutterhaus, verließen dieses jedoch, um sich auf Wanderschaft zu begeben. Dabei erhielten sie oft durch verschiedene weltliche Herren eine mehr oder minder dauerhafte Herberge, wobei sie im Gegenzug ihre Dienste z.B. Weben und Spinnen anboten.

Die Kleidung der Beginen dürfte in etwa der Ausstattung der Schwestern entsprochen haben.

Sie trugen ein einfaches Unterkleid sowie ein Überkleid aus naturfarbener (grau, braun, schwarz...) Wolle.

Da die Beginen im Gegensatz zu den vorwiegend betenden Schwestern mehr körperliche Arbeit verrichteten, kann man davon ausgehen, dass die Kleidung eher "praxisnah" gearbeitet war. Sprich: keine große Stoff-Fülle, schmal geschnittene Ärmel.

Ebenso wie die Nonnen trugen sie Schleier, wobei man vermutlich von einem hellen Schleier ausgehen sollte, nicht unbedingt dem schwarzen der Nonnen.

Beginengruppe mit einem (Benediktiner?) Mönch

 

 

Templerdarstellung

Es gibt in einer Templerkomturei grundsätzlich 2 große Unterscheidungen: die Ritterbrüder mit den weißen Waffenröcken und die Sergeantenbrüder mit den dunklen Gewändern. Die Sergeanten unterteilt man weiterhin in die Gruppe der Kämpfenden Brüder und die Gruppe der nicht-kämpfenden (Handwerker-) Brüder. Außerdem gibt es die Unterscheidung zwischen der Ausrüstung/Kleidung für den Kampf sowie die zivile Ausstattung (vgl. "Historische Templer, Personen und Ämter"). Bei anderren Ritterorden gibt es ähnliche Unterscheidungen wie bei den Templern, die aber hier nicht en detail aufgeführt werden sollen. Wer sich dafür interessiert, wird gebeten, seine Recherche anderweitig zu vertiefen.

Die meisten Darsteller streben mehr oder weniger die kämpfende Darstellung an. Für den Einsteiger stellt sich hier (meistens) ein recht massives Problem: die Ausrüstung für einen voll gerüsteten und bewaffneten Ordensritter ist alles andere als kostengünstig! Da bewegt man sich, alles zusammen genommen, sehr schnell im Bereich 4stelliger Zahlen!

Kettenrüstungen und Schwerter bekommt man zwar auch für kleines Geld, aber die Qualität lässt dann meist sehr zu wünschen übrig! Daher: Finger weg von Billigangeboten! Besser, man spart und kauft sich ordentliche Qualität! So wird es letztendlich billiger, als wenn man zuerst Billigschrott kauft, den man nach einer Saison frustriert ersetzen muss.

 

Einstieg als "Zivilist"

Einsteigern bietet sich aber auch die praktische Möglichkeit, mit einer „zivilen“ Darstellung zu beginnen. Sie eignet sich sehr gut für den Einstieg, da sie gegenüber der kämpfenden Darstellung wesentlich kostengünstiger und vielseitiger ist.

Zum einen hat man die Möglichkeit, den klösterlichen Habit anzuschaffen, sprich, Tunika (=Kutte) und Ordensmantel. So kann man einen beliebigen Templerbruder darstellen, der sich eben gerade nicht im "Kriegszustand" befindet. Die Mönche waren schließlich nicht zu allen Zeiten gerüstet, sondern nur im Fall des Kampfes.

Oder man entscheidet sich für einen "Feldhabit", eine einfache Cotta + Mantel oder Cappa. Damit kann man entweder einen Handwerksbruder oder einen Bruder auf Reisen darstellen. Ohne die entsprechenden "Ordensinsignien" (Kreuz auf Mantel oder Cappa) eignet sich diese Gewandung auch für Knappen, freie Handwerker oder, bei Verwendung der Tunika, für Angehörige anderer Orden (die Franziskaner haben sehr ähnliche Tuniken).

So ist ein Anfang gemacht, die Gewandung erlaubt einen relativ raschen und bezahlbaren Einstieg in die Szene, und man hat genügend Zeit, sich Gedanken über den weiteren "Werdegang" zu machen. Viele Komtureien setzen eine solche Darstellung (und damit eine Art Noviziat) voraus, will man in ihre Reihen aufgenommen werden.

Nähere Informationen rund um Kleidung und Ausrüstung finden sich im Kapitel "Ausrüstung und Gewandung". Bitte dort nachlesen.

 

Und die Frauen?

Es gab im Umfeld aller Ordensleute  immer auch Frauen. Wäscherinnen, Bäuerinnen, Frauen der Handwerker, Schutzbefohlene und reiche Gönnerinnen. Natürlich lebten sie räumlich getrennt von den Mönchen, das ist keine Frage. Außerdem waren die Mönche dringend angehalten, zu nahen Kontakt zum weiblichen Geschlecht zu meiden. Auch bei Kriegszügen waren immer wieder Frauen im Tross mit dabei. Es gibt also auch für die Damenwelt eine Menge Möglichkeiten, sich einem solchen Konvent anzuschließen. Den Usus mancher darstellenden Gruppen, Frauen grundsätzlich von einem Lager auszuschließen, können wir daher nicht nachvollziehen...

Einige Hinweise zur weiblichen Kleidung finden sich hier.

 

Frauen und Waffen ?

Sicherlich gab es keine "Kriegerinnen" a la Xena, das wäre im mittelalterlichen Denken absolut unmöglich gewesen. Es gab aber durchaus Fälle, in denen Frauen die heimatliche Burg in Abwesenheit ihrer Männer mit Waffengewalt verteidigten. Und es gab verbürgte Einzelfälle, wo Frauen als Männer verkleidet durch's (Krieger-)Leben gingen. Die Regel war dies nicht! Eine weibliche Darstellung im Konsens mit Waffen, vielleicht gar mit Schwert am Gürtel, ist historisch nicht vertretbar!

In diesem Zusammenhang stellt sich immer wieder die Frage nach Frauen in der Männerrolle (heutzutage in der Darstellung wohlgemerkt, nicht damals!). Dieses Thema wird sehr kontrovers diskutiert und viele Reenactmentgruppen lehnen das strickt ab. In unserer Komturei herrscht klare Gleichberechtigung! Und damit soll die Diskussion an dieser Stelle beendet sein und die Entscheidung wird jedem selbst überlassen!

Entscheidet man sich als Frau dafür, eine Männerrolle zu spielen, sollte man auf jeden Fall bemüht sein, diese auch so glaubwürdig wie möglich darzustellen!

 

 

Verhalten als Ordensdarsteller

Als Darsteller eines Personenkreises aus dem kirchlichen Umfeld (Mönchsritter, Mönche, Kapläne usw.) übernimmt man eine gewisse Verantwortung gegenüber der Kirche und dem klerikalen Leben! Alle diese Personengruppen folgten sehr strengen Regeln, legten Gelübde ab, hielten eiserne Disziplin. Daher im Folgenden ein kleiner "Ordensritter-Knigge". Leider wird dieser Punkt von erschreckend vielen Darstellern vergessen oder nicht beachtet...

Wer es nicht schafft, sich mit diesen Punkten anzufreunden und sich halbwegs daran zu halten, sollte im Sinne der Glaubwürdigkeit und dem Respekt gegenüber den Vorbildern und der Kirche eine andere Darstellung in Erwägung ziehen!

 

- Respektvoller Umgang mit allem, was mit dem Glauben zu tun hat, muss eine Selbstverständlichkeit sein! Sprich: Teilnahme an Messen, gemeinsamen Gebeten u.ä. mit dem gegebenen Ernst ist geboten! Klerikale Dinge dürfen nicht veralbert werden! Zumindest ein Vaterunser sollte man mitbeten können! Wer einen Kirchenmenschen darstellt, sollte diesen Punkt in der Darstellung glaubhaft vertreten! Wie man privat über diese Dinge denkt, steht auf einem anderen Blatt, aber in der Darstellung gibt es da eigentlich kein Pardon!

- Fremde Religionen und ethnische Gruppen sind zu respektieren! Der Glaubenskrieg der Kreuzzugszeit kann und darf keinesfalls in die Jetzt-Zeit transportiert werden! Ihr lagert in der Nachbarschaft von Heiden, Muslimen, Wikingern? Respektiert sie! Achtet ihre Bräuche, stört nicht ihre Riten! Nur, wer anderen Respekt entgegen bringt, darf ihn auch für sich selbst einfordern!!!

- Bitte nicht mit der Freundin Hand-in-Hand oder schmusend über den Platz spazieren! Damit wird die Darstellung zur Parodie, Templer waren Mönche und hatten Keuchheitsgelübde abgelegt!

- Lautes Gröhlen, "Platz da für den Orden"-Brüllen oder sonstiges auffälliges Gehabe gehört sich nicht. Demut und Bescheidenheit galten als große Tugend!

- Am hellichten Tag in deutlich angetrunkenem Zustand durch die Gegend irren macht keinen guten Eindruck. Es hat ja keiner Einwände gegen ein Glas Bier, aber man sollte seine Grenzen kennen!

- Respektloses Verhalten gegenüber Besuchern, Darstellen, wem auch immer, sollte absolutes Tabu sein. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, hier besonders hervorzuheben!

- "Ecce quam bonum et quam iucundum habitare fratres in unum.". Freundlicher, disziplinierter und brüderlicher Umgang mit Mitgliedern anderen Ritterorden wäre wünschenswert!!! Leider auch bei weitem keine Selbstverständlichkeit!

 

Wird fortgesetzt!